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Alltagssprache in Online-Texten: Sinnvoll oder nicht?

Wer einen Rundgang durch die Suchmaschinen unternimmt und sich einige Texte ansieht, stellt fest, dass sich die Sprache gegenüber früheren Zeiten verändert hat. Immer öfter tauchen Ausdrücke und ganze Passagen auf, die klingen, als stammten sie von Passanten auf der Straße. In diesem Beitrag wollen wir erörtern, was es mit diesem Phänomen auf sich hat.

Schreiben, wie einem der Schnabel gewachsen ist

Jeder Inhalt, der im Internet bereitgestellt wird, benötigt etwas, das die Aufmerksamkeit des Nutzers erregt. Nur wer dies schafft, hat die Chance, die gesteckten Ziele zu erreichen – beispielsweise den Verkauf von Waren oder den Abschluss eines Abonnements. In früheren Zeiten wurden dazu gerne spektakuläre Bilder oder Musik genutzt. Heute ist es immer öfter die verwendete Sprache, die die Nutzer anzieht.

Die Erfahrung zeigt: Je realer die Ausdrucksweise einer Webseite wirkt, desto mehr Leser können sich mit ihr identifizieren. Dazu haben ohne Frage die sozialen Medien beigetragen, in denen die Alltagssprache etwas völlig Normales ist. Die Nutzer können ihren Gedanken freien Lauf lassen und so schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Diese Offenheit ist einer der Gründe, warum Facebook und Twitter eine solch große Anhängerschaft besitzen.

Alltagssprache

Alltagssprache: Ist sie immer sinnvoll?

Gehobene Alltagssprache als Erfolgsrezept

In der jüngsten Zeit hat sich die sogenannte „gehobene Alltagssprache“ durchgesetzt. Darunter versteht man eine Art „Real Life“-Sprache, die auf einem gehobenen Niveau angesiedelt ist und dieses nicht verlässt. Stellen Sie sich vor, dass zwei Menschen mit mittlerem bis hohem Bildungsniveau am Kaffeetisch miteinander sprechen. Dies ist in etwa das Sprachniveau, von dem hier die Rede ist.

Die Kunst besteht darin, den Text so zu formulieren, dass er wie das reale Leben klingt. Für Autoren, die eine eher nüchterne Sprache gewohnt sind, ist diese Aufgabe schwierig zu bewältigen. Bei bestimmten Themen kann es daher ratsam sein, jemanden zu beauftragen, der die gewünschte Sprache ständig verwendet und genau so schreibt, wie er spricht.

Die gehobene Alltagssprache eignet sich vor allem für allgemeine Themen, die keine sprachliche Präzision erfordern. Beispiele sind:

  • Kochen
  • Kleidung
  • Urlaubsreisen
  • Spiele
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Auch für verschiedene Technologiethemen (z.B. Smartphones) kann die gehobene Alltagssprache sinnvoll sein. Wo sie fehl am Platze ist, diskutieren wir im folgenden Abschnitt.

Hier ist die Alltagssprache fehl am Platz

So anziehend die Alltagssprache auch sein mag – in manchen Bereichen ist sie einfach fehl am Platz. Dies merken Sie spätestens, wenn Sie sich zu medizinischen Themen informieren. Hier muss die Alltagssprache draußen bleiben, weil die Nutzer seriöse Informationen erwarten. Dies muss nicht bedeuten, dass sich die Artikel lesen müssen wie wissenschaftliche Abhandlungen. Es sollte jedoch klar erkennbar sein, dass es sich um eine seriöse Ratgeberseite und nicht um eine Social- Media-Präsenz handelt.

Bei technischen Themen wie der Beherrschung der Makrofotografie verbietet es sich fast von selbst, Alltagssprache zu verwenden. Es schadet jedoch auch hier nicht, den Text etwas aufzupeppen, damit er nicht zu trocken und leblos wird. Die Fotografie zum Beispiel ist ein Hobby, das von der Leidenschaft des Fotografen lebt. Dies darf und sollte in dem Artikel zum Ausdruck kommen.

Geht es um ernste Themen wie z.B. ernsthafte Erkrankungen oder Beziehungsprobleme, ist eine sachliche und informative Sprache gefragt. Die Alltagssprache sollte hier höchstens in den Kommentaren der Nutzer erlaubt sein, sofern es eine Kommentarfunktion gibt.

In der Kürze liegt die Würze

Kürzere Sätze werden vom Gehirn leichter verarbeitet als lange Wortfolgen. Dies ist allgemein bekannt – dennoch gibt es zahlreiche Webseiten, die jegliches Gefühl für die Bedürfnisse des Lesers vermissen lassen. Schon ab einer Länge von 15 Wörtern wird es für das Gehirn zunehmend schwieriger, die Inhalte zu erfassen. Wer den Leser bei der Stange halten will, sollte daher den alten Spruch „In der Kürze liegt die Würze“ beherzigen.

Begehen Sie jedoch nicht den Fehler, sich zu sehr auf Indizes wie den Flesch-Index zu versteifen. Dieser Index soll die Lesbarkeit eines Textes wiedergeben. Für Content Management-Systeme wie WordPress sind Flesch-Plugins verfügbar, die den geschriebenen Text bewerten und automatisch Verbesserungsvorschläge erstellen.

 

Alltagssprache: verständlich?

Bei der Texterstellung denken Sie daran, dass der Leser sie vor allem verstehen muss.

 

Das Problem solcher Indizes liegt darin, dass sie sehr niedrige Maßstäbe anlegen. Laut Flesch ist die perfekte Lesbarkeit erreicht, wenn ein 11- bis 12-jähriges Kind den Textinhalt ohne Probleme erfassen kann. Es gibt nur sehr wenige Webseiten, die sich auf einem solchen Niveau bewegen. Gerade wenn es um seriöse Themen wie den Immobilienkauf oder die Altersvorsorge geht, lässt sich mit Lesbarkeit-Indizes wie dem Flesch-Index wenig anfangen.

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Wenig hilfreich sind auch Tools wie Grammarly, die Worte wie „auch“, „so“ oder „möglich“ als redundant einstufen. Der Texter darf nur eine minimale Anzahl solcher Ausdrücke verwenden, wenn er eine hohe Punktzahl erreichen will. So werden den Autoren alle Möglichkeiten genommen, einen lebendig wirkenden Text zu schreiben. Trotzdem sollte man auf Füllwörter verzichten.

Fazit

Es ist nicht zu verleugnen, dass die Alltagssprache im Internet immer präsenter wird. Fraglich ist, ob dies der Qualität der Inhalte zuträglich ist. Fakt ist jedoch, dass sich die Leser eher mit Webangeboten identifizieren können, deren Sprache sie sprechen und verstehen. Lesbarkeit-Indizes wie der Flesch-Index übertreiben die Vereinfachung und schränken die Ausdrucksmöglichkeiten ein. Solche Konstrukte werden wahrscheinlich über kurz oder lang verschwinden – darin sind sich zahlreiche Sprachexperten einig.

 

Über den Autor

Olga Ziesel

Olga Ziesel ist leidentschaftliche Texterin und Expertin für Pressearbeit. Sie bloggt regelmässig auf Text-Center.com und im Blog der Webagentur Awantego.