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Häufige Rechtschreibfehler einfach verhindern Teil 2

Auch für den zweiten Beitrag über häufige Rechtschreibfehler habe ich wieder zwei Themen herausgesucht, die recht häufig anzutreffen sind. Zum einen ist es das Thema „wider vs. wieder“ und zum anderen die Schreibung von „s, ss oder ß“.

wider vs. wieder

Immer wieder kommt es vor, dass ich ein „wieder“ lese, obwohl ein „wider“ gemeint ist. Dabei haben diese beiden Wörter im Grunde ganz gegensätzliche Bedeutungen. Meist werden sie nur als Präfix (Vorsilbe) verwendet. Doch auch hier bleibt die unterschiedliche Bedeutung bestehen:

Rechtschreibfehler wurden auch in der Schule schon einmal thematisiert

Das hat jeder schon mal gelernt

Die Bedeutung von „wieder“

Wörter, die mit „wieder“ beginnen, haben meist etwas mit „einem weiteren Mal“ zu tun. Wenn etwas erneut getan wird, tut man es „wieder“.

Beispiele:

Eine Wiederholung im Fernsehen (diese läuft nach bereits erfolgter Ausstrahlung erneut)

Immer wieder stehe ich morgens auf (das geschieht normalerweise jeden Tag)

Eine Kuh ist ein Wiederkäuer (sie würgt die Nahrung hoch, um es ein weiteres Mal zu kauen)

Ich komme wieder (heißt, ich bin gerade da, bin momentan am Gehen und komme irgendwann zurück)

Die Wiedergabe der Aufnahme (etwas Gesprochenes wurde aufgezeichnet und wird nun abgespielt, um es ein weiteres Mal zu hören)

Die Bedeutung von “wider”

Wörter, die mit „wider“ beginnen, haben hingegen etwas mit „gegen“ zu tun.

Der Widerstand (Menschen lehnen sich gegen etwas auf oder man trifft beim Voranschreiten auf ihn und wird dadurch aufgehalten)

Der Widerruf (Man ist gegen die ursprüngliche Vereinbarung)

Ich wäge das Für und Wider ab (Ich denke über das Pro und Contra nach)

Hin und wieder muss man auch nachdenken

Heikel wird es bei dem Wort „wiederum“. Denn dieses kann man sowohl als Synonym für „ein weiteres Mal“ als auch – und das ist wohl die geläufigere Verwendung – als Synonym für „im Gegenzug“, „hingegen“ usw. verwenden. Und hier steckt ganz klar ein „gegen“ drin. Die Schreibung von „wiederum“ muss man sich einfach einprägen, um im Ernstfall keinen Fehler zu machen.

Die Unterscheidung von s – ss – ß

Viele tun sich schwer bei der Entscheidung, ob sie ein Wort mit „s“, „ss“ oder „ß“ schreiben. Es gibt zwar einige Regeln, an denen man sich orientieren kann. Jedoch haben fast alle diese Regeln so viele Ausnahmen, dass es schon beinahe schwierig ist, dies tatsächlich „Regel“ zu nennen. Doch wie heißt es so schön? „Keine Regel ohne Ausnahme“. Daher werde ich die Regeln unter Nennung möglichst vieler Ausnahmen dennoch hier aufführen.

S-Schreibung

Die Schreibung des einfachen S ist der Normalfall.

Beispiele:

Amsel, Besen, Durst, Hase, Trost

Am Wortanfang steht IMMER ein normales, einfaches S

Beispiele:

Sache, Sieg, Suppe, Salz, Suche

Wann verwende ich Doppel-S?

Das Doppel-S wird immer dann verwendet, wenn es hinter einem kurzen betonten Vokal oder Umlaut (a, e, i, o, u, ä, ö, ü) steht.

Beispiele:

Nass, Fass, Stress, Pass, Adresse, küssen/Kuss

Bei der Schreibung von s, ss oder ß kommt man oft ins Grübeln

Manche Wörter lassen sich von einem anderen Wort ihrer Wortfamilie ableiten. Z. B.

Erstklässler von Klasse

(Du) isst von essen

Vermisst von vermissen

Hier gibt es schon mehr als genug Ausnahmen.

Beispiele:

Fast (wie beinahe), aber (er) fasst (von fassen) – hört sich genau gleich an, wird aber unterschiedlich geschrieben.

Rast (wie Pause), wird mit demselben „s“ geschrieben, wie (er) rast (mit dem Auto), obwohl bei Rast das a kurz ist. (Eine Erklärung hierfür folgt jedoch später noch)

Sonderfall: KEINE S-Verdopplung am Wortende

Hin und wieder stolpert man über Wörter, die mit S enden und bei denen man dieses S gerne verdoppeln möchte. Das liegt daran, dass man solche Wörter in der Mehrzahl mit Doppel-S schreibt. In der Einzahl bleibt es jedoch beim einfachen S.

Beispiele:

Bus – Busse

Zeugnis – Zeugnisse

Begräbnis – Begräbnisse

Prinzipiell kann man sagen, dass Wörter, die auf –nis enden, in der Einzahl nicht mit Doppel-S geschrieben werden. Auch einige Fremdwörter gehören dazu.

Wörter mit „ß“

Rechtschreibfehler werden in der Schule rot markiert

Die S-Schreibung ist anfällig für Fehler

Vor jedem „ß“ muss ein Vokal (a, e, i, o, u), ein Umlaut (ä, ö, ü) oder ein Doppellaut (ei, au, eu, äu) stehen. Dieser muss lang gesprochen werden und das S muss stimmlos sein.

Beispiele:

Größe, Blöße, Soße, Maß, sowie äußern, außer, Fleiß

Ausnahmen: aus, heraus,…

Hier kommt wieder unser Beispiel von vorhin ins Spiel, als ich „Rast“ und „rast“ verglichen habe. „Er rast“ könnte man ja eigentlich mit ß schreiben. Doch das das S darin stimmhaft ist, bleibt es beim normalen S. Warum „die Rast“ zur besseren Unterscheidung dennoch nicht mit Doppel-S geschrieben wird, steht in den Sternen.

Stimmhafte und stimmlose S-Laute

Die meisten merken gar nicht, dass es da Unterschiede gibt und selbst, wenn man sie darauf hinweist, sind diese Unterschiede meist sehr minimal.

Ich versuche es dennoch zu erklären:

Bei einem stimmlosen S benutzt man die Stimmbänder nicht. Es wird ausschließlich dadurch erzeugt, dass man die Zunge locker hinter den oberen Schneidezähnen platziert und Luft zwischendurch drückt. Als wolle man eine Schlange nachahmen.

Beispiele für Wörter mit einem stimmlosen S:

beißen, weiß, außer

Bei den stimmhaften S benutzt man die Stimmbänder. Man kann das überprüfen, indem man die Finger auf den Kehlkopf legt. Wenn er vibriert, ist es ein stimmhaftes S. Wie bei der Imitation eines Bienenschwarms.

Beispiele:

Häuser (daher Haus nur mit s statt mit ß)

Gräser (daher Gras nur mit s statt ß)

Mach dir nichts draus, wenn du scheinbar keinen Unterschied merkst. Wie ich weiter oben schon erwähnt habe, sind die Unterschiede minimal und viele sprechen ein als stimmhaft definiertes S dennoch stimmlos aus.

Am deutlichsten wird der Unterschied zwischen stimmhaftem und stimmlosem S bei den Wörtern reisen und reißen.

„Ich werde um die Welt reisen“ und „Die Wölfe reißen das Reh“

Bei „reisen“ handelt es sich um ein stimmhaftes S, während es bei „reißen“ stimmlos ist.

Das kleine und das große ß

Das große ß

Seit dem 29. Juni 2017 ist das große ß Bestandteil der deutschen Rechtschreibung. Dieses dient aber lediglich dafür, bei der Versalschrift (alles in Großbuchstaben, wie etwa bei Anträgen) Eigennamen korrekt schreiben zu können (GAßNER statt Gassner), um spätere Falschschreibungen zu vermeiden

Über den Autor

Julia Ullrich