Sprache Texten

Wer hätte das gedacht?

Neben Rechtschreibfehlern gibt es noch andere Stolpersteine in der deutschen Sprache. Selbst Menschen, die sich in der hier sicher fühlen, begehen hin und wieder Fehler, ohne es zu wissen. Denn es gibt Wörter und Redewendungen, die sich in unserer Gesellschaft verbreitet haben – die aber gar nicht korrekt sind. In diesem Beitrag thematisiere ich einige dieser Stolpersteine. Und ich bin mir sicher, dass auch du an der einen oder anderen Stelle denken wirst: wer hätte das gedacht?

Der allseits beliebte Sechskantschlüssel

Viele Menschen benutzen ihn recht häufig. Dank des enormen Erfolges von IKEA und Co. muss man ihn fast zwangsläufig das ein oder andere Mal in die Hand nehmen – den Imbus. Bis hierhin noch alles klar? Na eben nicht! Denn es heißt gar nicht Imbus, sondern Inbus.

Der Inbus - Stolpersteine für Bastler

Dieses harmlose Werkzeug hat es ganz schön in sich

Abgeleitet wird dieser Begriff vom Wort Innensechskantschraube und der Entwicklerfirma Bauer und Schaurte = InBuS.

Zu erklären ist diese weit verbreitete falsche Aussprache durch die Lautangleichung. Denn der Wechsel von n zu b, wie er in „Inbus“ notwendig ist, bringt den Laut „m“ mit sich. Die Laute verschmelzen zu einem „imb“. Wenn man bereits als kleines Kind hört und lernt, dass dieses Werkzeug „Imbus“ heißt, stellt man das nur selten in Frage. Und wer hat schon je danach in einem Wörterbuch oder bei Google gesucht?

„Da ist der Ärger vorprogrammiert“

Diese Redewendung kennen wir doch alle, oder? Doch jetzt schau dir diesen Satz mal genauer an. Ersetze „Ärger“ durch „Recorder“. Programmierst du einen Recorder vor? Nein, eher nicht. Denn das Wort „programmieren“ bedeutet ja bereits, dass man ihn VOR Gebrauch auf eine bestimmt Sendung einstellt.

Selbstverständlich tut man das vorher. Hinterher würde es nicht mehr viel Sinn machen. Zumindest noch nicht. Vielleicht werden irgendwann Zeitreisen möglich und wir können unsere Recorder „nachprogrammieren“, wenn wir eine Sendung verpasst haben. In dem Fall würde das Wort „vorprogrammieren“ etwas mehr Sinn machen. Aber bis zum heutigen Tag ist es schlicht und einfach eine Wortverdopplung. Wie etwa die tote Leiche oder das nasse Wasser.

„Das wäre der Super-GAU“

Stolpersteine der deutschen Sprache

Eine Sonnenexplosion wäre der ultimative Super-GAU

Kennen wir auch alle. So und nicht anders. Aber was bedeutet eigentlich GAU?

GAU steht für Größter Anzunehmender Unglücksfall. Also das Allerschlimmste, was passieren kann. Jetzt setzen wir aber noch ein „Super“ davor. Verboten ist das nicht, aber sprachlich betrachtet überflüssig. Superlative lassen sich in der deutschen Sprache nun Mal nicht mehr steigern. Wenn es nun ein „Großer Anzunehmender Unglücksfall“ wäre, könnte man das machen. Aber wir haben alle gelernt, wie man das Adjektiv „groß“ steigert: groß, größer, am größten. Ende. Da kommt nichts mehr.

Vermutlich liegt die Verwendung des Wortes „Super“ hier darin begründet, dass die wenigsten Menschen wissen, was „GAU“ eigentlich bedeutet. Man weiß nur, es ist was Schlechtes. Setzt man ein „Super“ davor, weiß man, jetzt wird’s brenzlig.

Jetzt wissen wir zwar, dass der Begriff „Super-GAU“ so nicht korrekt ist, aber mal ehrlich: wenn wir in Zukunft sagen würden „Das ist der GAU“ würden sich die meisten Gesprächspartner wohl fragend umblicken und nach einem Herrn Gau Ausschau halten. Von daher, bleiben wir vermutlich besser beim allseits bekannten „Super-GAU“ – nur jetzt mit dem Hintergrundwissen, was dieses Wort eigentlich bedeutet.

Wenn dich die Wehmut packt

Wir haben alle schon Situationen erlebt, die eigentlich sehr schön waren, doch eine Sache hat nicht gestimmt. Da war zum Beispiel der kurze Regenschauer an einem ansonsten sonnigen und warmen Tag am Badesee der einzige Wehmutstropfen. Wie jetzt? Man kann Wehmut in Tropfenform verabreichen? Nein, kann man nicht. Es heißt auch gar nicht Wehmutstropfen, sondern Wermutstropfen.

Wermut ist ein bitteres Kraut

Wermut ist ein Kraut, das auch „Bitterer Beifuß“ genannt wird. Wie dieser Name vermuten lässt, enthält dieses Kraut Bitterstoffe. In der Homöopathie wird Wermut u.a. zur Verdauungsförderung verwendet. Nun führen diese Bitterstoffe – wer hätte das gedacht – dazu, dass eine aus Wermut gewonnene Lösung bitter schmeckt. Ein Tropfen Wermut in einem ansonsten wohlschmeckenden Getränk, sorgt also für einen bitteren Beigeschmack. So wie der kurze Regenschauer an dem ansonsten sonnigen und warmen Tag am Badesee…

Dasselbe ist doch dasselbe wie das Gleiche

Ja, das nehmen die meisten Leute nicht ganz so genau. Zum Glück wird das auch in unserer Gesellschaft toleriert. Wenn man es aber genau nimmt, ist „dasselbe“ eben nicht dasselbe wie „das Gleiche“.

Das Wort „dasselbe“ bezeichnet dieselbe Sache. Diese ist bei einem solchen Vergleich nur einmal vorhanden. Wenn z.B. Hund und Katze aus demselben Napf trinken, stecken beide Köpfe in EINEM Napf. Trinken Hund und Katze aus dem gleichen Napf, hat jeder Kopf einen Napf für sich allein, die jedoch beide gleich aussehen.

So kann man zwar das gleiche Tattoo wie sein bester Freund haben, aber niemals dasselbe, da es ja zwei Mal vorhanden sein muss – außer der beste Freund ist zufällig auch noch dein Siamesischer Zwilling, was ihn wiederum zu deinem Bruder machen würde.

„Das Gleiche“ benutzen wir also, wenn zwei (oder mehr) Dinge sich gleichen, während wir „dasselbe“ nur benutzen können, wenn es sich tatsächlich um dieselbe Sache handelt.

Beispiele:

Man benutzt besser die gleiche Zahnbürste statt dieselbe

Meine Freundin und ich fahren das gleiche Auto (es sind zwei davon vorhanden)

Meine Freundin uns ich fahren dasselbe Auto (die beiden teilen sich ein Auto)

Wir haben die gleiche Zahnbürste (Hersteller, Härtegrad und Farbe sind identisch, aber jeder hat seine eigene)

Wir haben dieselbe Zahnbürste (etwas eklig, aber wer’s mag…)

Dieses Model ist ein echtes Modell

Ja, wie jetzt? Ein oder zwei „L“ am Ende? Es geht beides. Das kommt ganz darauf an, wovon wir reden.

Ein Model mit einem „L“ am Ende (Betonung auf der ersten Silbe und mit stummem „e“) ist in der Regel ein Lebewesen (ja, auch Tiere können Models sein), das seinen Körper zur Verfügung stellt, um beispielsweise Mode zu präsentieren.

Ein Modell hingegen (mit zwei „L“ am Ende, Betonung auf der zweiten Silbe und das „e“ ausgesprochen) ist meist eine Darstellung einer Sache in einem anderen Maßstab, um die Sache selbst leichter verständlich zu machen. Modelle von Insekten werden zum Beispiel stark vergrößert dargestellt, um Einzelheiten besser erkennen zu können. Modelle von Autos, Schiffen, Flugzeugen usw. sind dagegen stark verkleinert dargestellt, um sie in einem Setzkasten platzieren zu können. Oder auch, um das Gesamtwerk besser betrachten zu können. Je nach dem.

Über den Autor

Julia Ullrich