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Wie schreibe ich einen guten Sachtext?

Viele Autoren verzweifeln bisweilen an den Ansprüchen ihrer Auftraggeber. Entweder der Auftrag beschreibt im Vorfeld ungenügend, was gefordert ist oder der Auftraggeber besitzt vollkommen fremde Ansprüche an den von ihm gewünschten Text. Gerade bei sogenannten “Sachtexten” sind die Vorgaben und Richtlinien häufig schwammig formuliert.  Und im Grunde sind kaum allgemeine Konventionen dieses Genres für Autoren vorhanden. Dieser Ratgeber verrät Ihnen, wie Sie einen guten und informativen Sachtext schreiben können, der ihrem Auftraggeber gefallen wird.

Es fällt Autoren häufig schwer einen vernünftigen Sachtext zu schreiben, da sich dieser keinem Korsett unterwirft. Während andere Genre eine große Reihe von Konventionen und Regeln pflegen, schreibt ein Autor bei einem Sachtext unter Umständen ins Blaue hinein. So bastelt dieser häufig an seinem Text wie bei einer Bastelanleitung: Ich habe Informationen und muss diese in eine möglichst optimale Form bringen. Falsch ist dieser Gedanke im Grunde nicht!

Wissen ist (Schreib-)Macht

Bei Sachtexten ist der informative Inhalt wichtiger als der persönliche Schreibstil

Der informative Inhalt ist das A und O

Für einen wirklich gelungenen Sachtext reicht es nicht, wenn die Worte stilsicher und flüssig zu lesen sind. Natürlich ist der Stil des Autors von immanenter Bedeutung, in erster Linie allerdings überwiegt bei einem Sachtext der informative Inhalt. Das bedeutet, wer sich nicht gut genug in die behandelte Thematik des Textes hineinarbeitet und die Informationen präzise, prägnant und authentisch formuliert, der braucht sich nicht über eine schlechte Bewertung wundern. Der persönliche Schreibstil bleibt ein i-Tüpfelchen, der einen inhaltlich runden Text zusätzlich aufwertet.

Im Vorfeld – lange vor dem eigentlichen Schreibprozess – vergegenwärtigt sich ein aufmerksamer Autor, für welche Zielgruppe er schreibt und welchen Zweck der Text verfolgt. Kenntnisse über die potenziellen Leser sind ein nützliches Werkzeug, um die wichtigsten Fragen im Vorfeld zu klären und auf diese Weise den Text zu strukturieren.

Allgemein betrachtet hat ein Sachtext das Ziel seinen Leser mit Informationen zum Thema zu versorgen, die ihm einen Mehrwert liefern. Wer einen beispielhaften Text schreibt, der sich an Uniprofessoren richtet und Grundlagen des Faches verklausuliert beschreibt, der schießt meilenweit an der Zielscheibe vorbei.

Der Spagat des Autoren zwischen Mehrwert und Werbesprache gelingt nicht jedem Verfasser. Der Auftraggeber möchte sich, beziehungsweise sein Produkt oder die jeweilige Plattform, auf der der Leser den Text finden wird, in einem positiven Licht sehen. Zu schnell wechseln Autoren in diesem Fall in eine euphorisierte Sprache über, anstatt sachlich beim Thema zu bleiben. Kein Leser verzeiht es dem Autoren, wenn der Text ihm unterschwellig die Botschaft vermittelt, dass der ihm vorliegende Sachtext ein anderes Ziel verfolgt als die “Aufklärung” seiner Leser.

Struktur und Freiheit im Sachtext

Allerdings hilft jeder gut gemeinte Ratschlag nichts, wenn der Autor seine eigene Kunst nicht beherrscht. Der Autor sollte einen Sachtext schreiben, dessen Inhalt gut recherchiert und gut präsentiert ist. Das Handwerkszeug gründlicher Recherche ist notwendig, wenn der mit gutem Gewissen Mehrwert erschaffen möchte. Entweder er kennt sich im Vorfeld in der Thematik aus oder prüft die ihm zugrunde liegenden und ermittelten Informationen. Idealerweise prüft der Autor alle Details im Vorfeld und macht sich Notizen für den anstehenden Schreibprozess.

Um einen Sachtext zu schreiben, ist Vorarbeit notwendig

Recherche gehört zur guten Vorarbeit

Je nach Länge eines Sachtextes malt sich der Autor entweder die Inhalte und Struktur seines Werkes im Vorfeld aus oder notiert sich diese in abstrahierter Form. Sachtexte legen großen Wert auf ausformulierte Thesen, die der Autor aufstellt und durch Belege und Argumente entweder bestätigt oder entkräftet. Cluster, Mindmaps und andere Brainstorming-Methoden sind in diesem Fall hilfreich.

Jede Vorarbeit, die der Autor leistet, erleichtert das letztendliche Schreiben eines Sachtextes. Wer “von der Leber weg” schreibt, der ist sicherlich nicht automatisch schlechter aufgestellt als sein akribisches Pendant. Das R

isiko steigt allerdings durch eventuelle Gedankenpausen für Formulierungen, Fortsetzungen oder dem Zusatz von weiteren Informationen.

Die Verbindung von drei Genres

Bei allen positiven Worten zur strukturierten Vorbereitung des Textes soll nicht vergessen werden, dass sprachliche Freiheiten notwendiger Natur sind. Mit Blick auf die Zielgruppe schreibt der Autor mehr oder weniger von komplexen Sachverhalten und transformiert diese in einen “simplen” Text – Simpel in Bezug auf die Verständlichkeit.

Idealerweise verbindet ein guter Sachtext die Vorteile dreier Genres: der Erörterung, dem Feature und dem Ratgeber. Die Erörterung ist analytisch und rückt Thesen sowie deren Argumente in das rechte Licht. Das Feature spielt mit den Worten und stellt einen Sachverhalt bildhaft dar, abstrahiert eventuell vom Allgemeinen auf das Besondere hinab. Und der Ratgeber ist vorwiegend lösungsorientiert, erarbeitet ein möglicherweise unbekanntes Ziel aus einem bekannten Problem.

Das Verhältnis von Absender und Empfänger

Der Autor muss sich in den Auftraggeber hinein denken

Als Autor schlüpft man in die Rolle der Senders

Ein Texter, der im Auftrag einer anderen Person schreibt, übernimmt die Position und Perspektive dieser Person. Im Klartext bedeutet dies, dass der Autor bei einem Text – egal ob Sie nun einen Sachtext schreiben oder nicht – in dessen Rolle als Absender schlüpft. Empfänger ist selbstverständlich der Leser.

Die Information, die der Sachtext übermitteln soll, läuft aufgrund dieser Dreiecksbeziehung aus Autor, Sender und Empfänger unter Umständen dem Risiko auf, sich zu verwässern. Ein Autor, der die Rolle des Senders, die nicht seine Eigene ist, übernimmt, wird an der Intention des Auftraggebers scheitern.

Umso wichtiger ist es daher, dass der Autor die Grundregeln des Schreibens optimal von seiner eigenen Perspektive auf die des eigentlichen Senders überträgt. Diese Regeln sind allgemeingültig und dürften in Sonderfällen beim Schreiben eines Sachtextes variieren:

Grundregeln des Schreibens:

  • Geben Sie ihrem Text einen Sinn! Ihr Sachtext muss Antworten auf vorhandene Fragen liefern, ein Problem lösen oder Hilfestellung bieten.
  • Wenn Ihr Text keine Problemstellung besitzt, geben Sie ihm eine! Sinnloses Geschwafel können die Auftraggeber unter Umständen von anderen Autoren bekommen.
  • Der "Rote Faden" im Sachtext sorgt mitunter für eine gute Bewertung

    Ein “Roter Faden” ist in Sachtexten wichtig

    Geben Sie dem Text durch einen roten Faden einen Mehrwert und rattern Sie nicht wie ein in die Jahre gekommenes Moped die blanken Fakten herunter.

  • Verwenden Sie Fremdwörter, wenn sie notwendig sind, und erklären Sie diese kurz, wenn sie nicht zum Allgemeinwortschatz ihrer Hauptzielgruppe gehören.
  • Bleiben Sie neutral und richten sich nicht direkt an den Leser! Wenn Sie einen Sachtext schreiben, dann stellen sie einen Sachverhalt oder eine Problemlösung dar. Für Hilfestellungen wie diese hier, verwenden Sie einen Ratgeber oder ein Tutorial.
  • Heben Sie mit ihrer Sprache ab ohne abzuheben! Verwenden Sie einen professionellen, sachlichen Stil und verwenden Sie keine Umgangssprache. Dies gibt ihren Argumenten mehr Gewicht.
  • Nutzen Sie zusätzlich starke Verben, vermeiden Sie weitestgehend das Passiv.

Letzte Tipps

Übung macht den Meister und darum ist es verständlich, wenn Ihnen unter Umständen die blanke Theorie dieses Sachtextes trocken erscheint. Liegen ihnen ihr Auftraggeber und der Leser am Herzen, dann nutzen Sie die hier angemerkten Ratschläge, um Schwierigkeiten zu umschiffen.

Segeln Sie lieber mit vollen Segeln in die unbekannten Gewässer eines unklar formulierten Auftrages. Überzeugen Sie den Auftraggeber, indem Sie einen Mehrwert bieten, von dem er entweder nicht weiß, dass er diesen haben möchte, oder diesen unbewusst in seinem Auftrag verschweigt. Davon profitieren alle: der Leser, Ihr Auftraggeber und in allererste Linie Sie selbst.

Über den Autor

Julia Ullrich