Blogger Akademie

Verkauft Euch nicht unter Wert aber verkauft Euch – Wie frage ich nach einer Kooperation?

Tipps aus der Unternehmensperspektive: Wie spreche ich Unternehmen an, um bezahlte Kooperationen zu bekommen? Ein Beitrag zu der Blogparade #fairbloggerrelations.

Die PR Spionin Sylvia hat es auf den Punkt gebracht: Blogger Kooperationen funktionieren noch nicht rund. Unternehmen und Blogger wissen noch nicht genug über die Zusammenarbeit, von daher kommt die Unsicherheit und Unzufriedenheit von beiden Seiten. Transparent miteinander kommunizieren – das ist der entscheidende Punkt. Mit der Blogparade  #FAIRBLOGGERRELATIONS – BLOG-KOOPERATIONEN 2017 gibt Sylvia den Bloggern eine Möglichkeit ihre Sicht auszusprechen.

In der Blogparade haben schon einige Blogger ihre Erfahrungen mit fairen und unfairen Kooperationen beschrieben. In unserem Beitrag geht es auch um die Erfahrungen mit den Blogger-Kooperationen – seitens Unternehmen.

Blogger Kooperationen

Erst wenn man auf beiden Seiten gearbeitet hat – als Blogger und als Unternehmen – wird klar, wie massiv die Missverständnisse zwischen den beiden Seiten sind. Blogger sind bereit, ihre Blogs als Werbeplattform den Unternehmen zur Verfügung zu stellen, (viele) Unternehmen sind bereit, Budgets für die Blogger Relations festzulegen. Und trotzdem kommen viele Kooperationen nicht zustande.

Für viele Blogger verläuft die Zusammenarbeit mit den Unternehmen immer noch sehr einseitig. Unternehmen schicken eine Anfrage, der Blogger sagt zu oder lehnt sie ab. Fast täglich kann man in diversen Facebook-Gruppen lesen, dass Blogger nicht zufrieden sind, wie die Zusammenarbeit abläuft. Viele Unternehmen kommunizieren nicht auf Augenhöhe, stellen unverschämte Anforderungen an die Veröffentlichungen und sind nicht bereit die Bloggerarbeit zu bezahlen.

Verkauft Euch nicht unter dem Wert – das liest man in jeder Diskussion zum Thema Blogger. Ich würde gerne hinzufügen: Aber verkauft Euch! Macht Euren Blog zur attraktiven Plattform für die Unternehmen. So erhaltet Ihr Aufträge und gewinnt Kooperationen, die zu Eurem Blog passen und nach Euren Regeln laufen.

Selbst auf die Unternehmen zukommen – das machen viele Blogger noch gar nicht. Und wenn doch, dann schicken sie einfach ihren Mediakit und beschreiben ihren Blog und nennen die möglichen Kooperationsformen. Kurz, knapp, aber uninteressant.

Ich kenne einige Blogger, die ihren Blog zu verkaufen wissen. In der Regel sind es Blogger, die schon seit mehreren Jahren schreiben und inzwischen Profis geworden sind.

Während meiner Tätigkeit auf der Unternehmensseite habe ich oft mitbekommen, dass die meisten Blogger ihre Blogs nicht richtig vermarkten. Besonders auffällig wird es dann, wenn man eine Anfrage von einem Profi-Blogger bekommt, die anders ist, als die klassische „hier-mein-Mediakit“-Mail. Der entscheidende Unterschied ist – die Letzteren machen ihre Kooperationsangebote schmackhaft, sie verstehen die Bedürfnisse der Unternehmen und zeigen Expertise, Erfahrung und wecken Emotionen.

Unternehmen und BloggerDas hätte man als Blogger besser machen können: Unternehmenserfahrungen

Unternehmen sind an Blogs und ihrer Reichweite sehr interessiert. Sie suchen Blogs, die thematisch gut passen und über eine gute Reichweite verfügen. Und sie haben in der Regel eine klare Vorstellung davon, wie das Endergebnis aussehen soll. Doch das bedeutet nicht, dass Unternehmen keinen Input brauchen. Als Blogger kann man viel mehr erreichen, wenn man offen auf das Unternehmen zukommt und ihm schildert, was das Unternehmen mit Hilfe von der Kooperation mit dem Blog erreichen kann.

Überlegt Euch einfach, was genau das Unternehmen erreichen will, wenn Ihr ein Angebot an das Unternehmen schreibt. Ein Unternehmen, das die Produkte für die Vorstellung zusendet (und diese Vorstellung bezahlt), will nicht einfach einen schönen Artikel zu seinem Produkt haben. Das Unternehmen will viele Menschen erreichen und sie dazu bringen, über das Produkt zu sprechen (und es zu kaufen). Das heißt, dass ein Blogger nicht nur seine Reichweite kommunizieren soll, sondern auch die hohe Interaktionsrate. Neben den Zahlen kann man seiner Präsentation noch Screenshots von den Kommentaren hinzufügen oder auch ein schönes Feedback der Leser per Mail mitsenden.

Hat ein Unternehmen eine unverbindliche Produkttestanfrage geschickt, aber keine Bezahlung für die Produktvorstellung vorgesehen?

Viele Blogger reagieren da kurz und knapp: Sie schicken ihren Mediakit und sagen, dass sie gern das Produkt vorstellen, aber dafür eine Rechnung stellen werden. Viel interessanter wäre es aber, wenn man als Blogger die mögliche Produktvorstellung richtig reizvoll machen würde. Profi-Blogger verschicken nicht einfach ihre Mediakits. Sie erstellen individuelle Angebote, zeigen Beispiele, erzählen Geschichten (zum Beispiel über die Reaktion der Leser oder darüber, welchen Effekt der Blogartikel auf die Zugriffe im beworbenen Online Shop hatte). Klar, das kann man nicht bei jeder Anfrage machen, sonst kommt man gar nicht mehr zum Bloggen. Aber wenn man wirklich Lust auf die Kooperation hat oder die Marke toll für den Blog passen würde, dann lohnt es sich, kreativer zu werden.

Hat das Unternehmen zu viele Anforderungen an den Artikel gestellt?

Einige Blogger reagieren in diesem Fall genervt oder brechen die Kooperation sogar einfach ab. Dabei wäre es die perfekte Möglichkeit einen Zusatzverkauf zu machen. Wie wäre es mit einem weiteren Artikel? Oder vielleicht lohnt es sich noch zusätzlich ein Instagram-Post zu veröffentlichen? Und was ist, wenn man daraus eine Artikel-Reihe macht? Jedenfalls zusätzliche Anforderungen müssen extra berechnet werden – das sollte man von Anfang an klar machen.

Damit man einen Zusatzverkauf machen kann, sollte man sich in die Situation des Unternehmens versetzen, um seine Bedürfnisse besser zu verstehen. Ein Beispiel: Das Unternehmen lanciert ein neues Produkt und will es in den Blogs bewerben. Statt nur ein Angebot für die Produktvorstellung zu machen, könnte man dem Unternehmen auch anbieten hochwertige Stimmungsbilder mit dem Produkt zu erstellen und sie für die Nutzung in seinen Werbeunterlagen zu verkaufen. Oder man kann zusätzlich den Versand der Informationen an den eigenen Newsletter-Verteiler vorschlagen. Auch Posts in Social Media und Gewinnspiele kann man on top anbieten.

Ich bin ein Start-up und habe kein Geld

Viele Blogger kennen das: Sie bekommen eine Anfrage ohne Vergütung mit der Begründung, dass das Unternehmen noch kein Geld hat, weil es ein Start-up ist.  Das ist wahrscheinlich die nervigste Begründung, die die Blogger erhalten, wenn Unternehmen sie nicht bezahlen wollen. In der Regel ignorieren Blogger solche Anfragen. Doch wenn ein Unternehmen offensichtliche Fehler im Thema Blogger Relations macht, dann heißt es in der Regel, dass es noch nicht genug Kenntnisse und Erfahrungen im Thema gesammelt hat. Und wer kann ein Unternehmen besser in Sachen Blogger Relations beraten, wenn nicht Blogger selbst? Schlagt doch dem Unternehmen einen Workshop vor. Macht eine Liste mit möglichen Themen: z.B. „Welche Blogger die größten Meinungsmacher in Deutschland sind“ „Welche Zahlen spiegeln die tatsächliche Anzahl der Blogleser wieder“, etc.

Wer bist Du?

Die meisten Unternehmen wissen schon, wer Blogger sind und welche Vorteile die Zusammenarbeit mit Bloggern bringt. Doch vielen fehlt einfach an Erfahrungen: Wer sind die wichtigsten Influencer in der Branche? Woran erkennt man die besten Blogs und welche Blogger darf man auf keinen Fall verpassen, wenn man Blogger Relations aufstellen will?  Es gibt inzwischen viele Anbieter, die Blogger-Verteiler zur Verfügung stellen. Doch als Insider weiß man es immer besser, wer die VIPs der Branche sind und worauf man bei der Kontaktaufnahme achten soll. Vor allem für kleine Unternehmen, die ihre Kooperationen nicht massenhaft durchführen, sind solche Informationen besonders interessant.

Wie gut muss der Blog sein, damit Unternehmen ihn wahrnehmen?

Für Unternehmen sind in der Regel nur solche Blogs interessant, die über eine gute Reichweite verfügen und hochwertig sind. Doch dann stellt sich die Frage: Wie gut muss ein Blog sein und wie viele Leser sollte ein Blog haben?

Zuerst zum Thema Qualität. Neben hochwertigen Texten, die gut recherchiert und fehlerfrei geschrieben sind, spielen auch Bilder eine große Rolle. Bilder müssen hochwertig sein und für einen einheitlichen Look des Blogs sorgen. Doch auch Individualität der Bildsprache ist ein wichtiges Qualitätskriterium. Wenn man sich Lifestyle-Blogs anschaut, dann fällt sofort auf, dass viele sehr ähnlichen Look haben: die klassische Slider-Ansicht und der pastellfarbene Feed gehören inzwischen zu der Grundausstattung fast jedes Blogs. Blogs sind gefüllt mit Bildern von feinem Goldschmuck und Flamingo Pool Floats. Das Instagram-Feeling drängt immer mehr in die klassischen Blogs und führt dazu, dass immer mehr Blogs einfach nur gleich aussehen. Damit der Blog nicht wie eine Massenware aussieht, sollte man sich Gedanken über den optischen Gesamteindruck machen und eine persönliche Note in die Bilder bringen.

Auch die Größe des Blogs spielt für Unternehmen eine große Rolle. Hat der Blog gerade mal 100 Zugriffe im Monat, dann wird sich wahrscheinlich kaum ein Unternehmen für die bezahlte Kooperation interessieren. Es gibt auch Unternehmen, die sich auch mit 15.000 Lesern nicht zufrieden geben. Jedenfalls, es gibt keine allgemeingültige Zahl, die bezahlte Kooperationen für Blogger garantieren. Es ist vielmehr eine Erfahrungssache, die von Thema zu Thema unterschiedlich ist.

Allerdings kann man davon ausgehen, dass wer regelmäßig 20-30 Tausend Leser hat und dazu auch noch gepflegte Social Media Kanäle, der hat bessere Chancen, Aufträge zu bekommen als jemand, der monatlich nur ein paar Hundert Aufrufe hat.

Mit Youtube Geld verdienen

Instagram Fakes – der Schlüssel zu erfolgreichen Blogger Kooperationen?

Selbst erfahrene professionelle Blogger klagen, dass sie immer noch nach ihren Social Media Zahlen bewertet werden. Doch Social Media Zahlen spiegeln nicht immer die eigentliche Reichweite des Blogs wieder. Manche Unternehmen definieren dennoch die Reichweite des Blogs über die Anzahl der Follower. Doch daran können Blogger wenig ändern. Außer immer wieder den Unternehmen echte Zahlen vorführen, eigene Zahlen mit den anderen vergleichen und den Unternehmen klar machen, dass sie von der echten Zielgruppe definitiv profitieren, von den Fake-Followern aber nicht.

Bots und Fan-Einkauf sind zwar ein heiß diskutiertes Thema, dennoch hat sie noch nicht alle Unternehmen erreicht. Ein paar Links zu Online Berichten in den Medien können helfen bei den Verhandlungen besser zu argumentieren.

Dann lohnt es sich vielleicht doch einfach ein paar Follower auf Instagram einzukaufen? Wir raten davon dringend ab. Früher oder später wird es ersichtlich sein, ob der Account echte Follower hat oder nicht. Lieber die Community langsam wachsen lassen. Das kann schon 1-2 Jahre in Anspruch nehmen, doch es lohnt sich viel mehr als ein Kauf von Fans.

Zusammenfassung

Faire Kooperationen sind leider noch keine Selbstverständlichkeit in der deutschen Blogosphäre. Dagegen kann man kaum was tun, außer ungerechte Anfragen gleich ablehnen und selbst auf die Kooperationspartner zuzugehen.

Wer selbst die Sache in die Hand nimmt, profitiert am Ende. Auch wenn die Erstellung von personalisierten Angeboten viel Zeit kosten kann, lohnt es sich diese Zeit zu nehmen. Man gewinnt so nicht nur Unternehmen, die wirklich zu einem passen, sondern hat die Möglichkeit Projekte zu machen, die einem wirklich gut gefallen.

Wichtig ist es nur zu verstehen, was Unternehmen brauchen. Und zwar in jedem konkreten Fall. Wer Marketingverantwortliche mit richtigem Ansatz anspricht, gewinnt sie schneller als derjenige, der nur sein Mediakit verschickt.

Rückschläge, Absagen und ignorieren werden auf jeden Fall dabei sein – wie bei einem anderen Verkauf. Aber es werden auch positive Rückmeldungen dabei sein und coole Kooperationen zustande kommen, manchmal recht erstaunliche! Versprochen.

Viel Glück!

Über den Autor

Olga Ziesel

Olga Ziesel ist leidentschaftliche Texterin und Expertin für Pressearbeit. Sie bloggt regelmässig auf Text-Center.com und im Blog der Webagentur awantego.de.

2 Kommentare

  • Salut Olga,

    merci bien für die interessanten Ausführungen in diesem Beitrag. Und vor allem kommt er wie gerufen. Derzeit verdiene ich mein Geld primär als Texter. Ursprünglich zur Entspannung entstand vor einiger Zeit ein Reiseblog – inklusive eines Location-Verzeichnisses. Dazu gehören gastronomische Angebote, Shopping-Möglichkeiten aber auch Städte, Regionen und Sehenswürdigkeiten.

    Die Besucherzahlen steigen kontinuierlich, die Geschwindigkeit ist natürlich abhängig von der investierten Schreibzeit, „prahlen“ kann ich mit diesen noch lange nicht. Dennoch steht der Entschluss fest, den Blog ab jetzt aktiv zu vermarkten. Das Ziel ist, den Einkommensschwerpunkt peu à peu zu verlagern. Die Strategie ist festgelegt, eine entsprechende Präsentation vorbereitet. Und genau in diese werde ich zwei drei Deiner Anregungen mit einfließen lassen. Finetuning. Vielleicht kommen mehr dazu, nachdem ich die verlinkten Beiträge gelesen habe. Die wichtigste: Den Vorteil für zukünftige Kooperationspartner (ich rede von Sponsoren) deutlicher herauszuarbeiten. Insofern abschließend nochmals ein großes Danke schön für Deinen Input.

    Mit besten Grüßen
    Andreas